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Lebensweltbezogene Schulsozialarbeit
26.05.2010 - Sascha Valentin, Hinterländer Anzeiger:
Simona Lison stärkt Einheit der Klassen
Schulsozialarbeit greift verhaltensauffälligen Jugendlichen unter die Arme
Steffenberg-Niedereisenhausen (val). Es gibt sie in vielen Klassen: Jene Schüler, die keinen Kontakt zu den anderen finden, sich zurückziehen, gemobbt werden oder durch herausforderndes Verhalten auffallen. Um zu verhindern, dass sie ausgegrenzt werden und deswegen nicht am normalen Unterricht teilnehmen können, hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf die Initiative „Lebensweltbezogene Schulsozialarbeit“ ins Leben gerufen.
An der Mittelpunktschule Oberes Perftal in Steffenberg zogen die Verantwortlichen jetzt eine erste Bilanz des Programms, das dort seit vier Jahren angeboten wird. Dessen Ziel sei es, die soziale Basis des Lernens zu verbessern, erklärte der erste Kreisbeigeordnete Karsten McGovern (Grüne). Dadurch solle auch eine bessere gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen ermöglicht werden. Denn vielfach übertrage sich das Verhalten im Klassenraum auch auf den Alltag außerhalb der Schule, betonte er. Wie nötig und sinnvoll eine entsprechende Sozialarbeit an den Schulen ist, machte Schulleiterin Carla Fassold-Luttropp deutlich: „Wir haben festgestellt, dass die Zahl der Schüler mit einem schwierigen Lebensumfeld in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.“ Die Initiative des Kreises komme ihrer Schule auch deswegen entgegen, weil in deren Programm ausdrücklich verankert ist, die soziale Kompetenz der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Aus diesem Grund ist die Schule in der Vergangenheit selbst etwa mit dem Buddy-Projekt tätig geworden, bei dem Schüler gezielt für bestimmte Aufgaben eingesetzt werden und so Verantwortung übernehmen. Aber gerade bei verhaltensauffälligen Schülern gestalte sich das oft schwer, fügte sie hinzu. In solchen Fällen wenden sich die Lehrer an Simona Lison vom Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) Marburg, die das Projekt an der MPS Steffenberg als Sozialarbeiterin betreut. Sie sucht sowohl das Gespräch mit den Eltern, um mehr über den familiären und sozialen Hintergrund der betroffenen Schüler herauszufinden, als auch mit den Lehrern, die der Situation mitunter machtlos gegenüberstehen, wie Jochen Lang betonte. „Simona öffnet auch uns ein wenig die Augen und zeigt Wege, die wir in unserer Ausbildung so vielleicht nicht kennen gelernt haben“, betonte er. Neben Einzelgesprächen mit den Betroffenen zählen dazu vor allem gruppenbezogene Unternehmungen, die den Zusammenhalt der Klassengemeinschaft stärken sollen.
So werden in Niedereisenhausen regelmäßig Klassenfindungstage im außerschulischen Lernort in Weidenhausen, aber auch Projekte wie etwa Kanu- und Inlinetouren oder auch Schneewanderungen im Winter angeboten. So ließen sich das Klassenklima und die Kompetenz, Konflikten zu begegnen, nachhaltig verbessern, sagte Simona Lison. „Unser Leitspruch ist, mit Kopf, Herz und Hand zu arbeiten“, fügte sie hinzu. Die Arbeit in der Schule sei oft zu verkopft, sodass die Schüler einen Ausgleich benötigten, um sich entfalten zu können.
Ein weiteres Ziel des Programms bestehe darin, vor Ort Netzwerke zu bilden, die verhaltensauffällige Schüler auffangen und mit ihnen arbeiten können, stellte Karsten McGovern fest. Zu den Kooperationspartnern zählen neben den Schulen und dem bsj zum Beispiel auch der allgemeine soziale Dienst (ASD) und die Jugendhilfe des Kreises. An der Schule in Steffenberg hat die Sozialarbeit jedenfalls deutliche Spuren hinterlassen, wie Carla Fassold-Luttropp bestätigte. Ein genauer Erfolg lasse sich natürlich nicht messen, aber die Bereitschaft der Klassen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen und zu kooperieren, habe sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert.
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Hier finden Sie die entsprechende Pressemeldung des Lankreises Marburg-Biedenkopf
